Nach langer zeit komme ich nun endlich mal dazu, ein kurzes Review zu Borderlands für PS3 zu verfassen (allerdings stehen auch noch ein paar Worte zu Bayonetta, Assassin's Creed 2 und vielleicht sogar Uncharted 2 an). Oh Wunder!

Als erstes muss ich sagen, dass ich mich schon nach den Trailern, die vor einiger Zeit ausgiebig auf MTV gespielt wurden, ziemlich auf Borderlands gefreut hatte. Schicke Cell-Shading-Optik, 87 Bazillionen-Waffen, Fahrzeuge, Explosionen, coole Charaktere, ein ansprechender Soundtrack (im Trailer war es Ain't No Rest For The Wicked von Cage The Elephant) und eine Mischung aus Rollenspiel und Shooter? Aus Fallout 3 und Diablo 2? Das klang vielversprechend und teilweise konnte Borderlands meine Erwartungen auch erfüllen. Gehen wir ins Detail.
Wodurch Borderlands, wie gesagt, eindeutig bei mir punktet, ist die tolle Cell-Shading-Grafik, die einige eher ungewöhnliche Elemente aufweist. So sind beispielsweise Schatten nicht immer einfach nur eine dunklere Fläche, sondern werden manchmal nur durch schraffierte Linien angedeutet. Das wirkt jedoch keineswegs störend oder fehlplatziert, sondern passt wie angegossen zu Borderlands. Bei den Gore-Effekten hat man sich dafür anders entschieden und so sprudeln immer mal wieder ein paar dunkelrote, realistischer wirkende Pixel-Fontänen aus abgetrennten Gliedmaßen, was das Gesamtbild allerdings nicht negativ beeinträchtigt. Cell-Shading-Blut wäre dennoch eine amüsante innovative Idee gewesen.
Die Steuerung mit dem Controller geht besser von der Hand, als ich es anfangs erwartet hätte. Das Zielen fällt recht einfach und auch Waffen, wie Scharfschützengewehre, die auf eine exaktes Zielen erfordern, lassen sich bis auf ein paar wenige Ausnahmen immer erfolgreich bedienen.
Eine der Gründe für die Vorfreude auf Borderlands war ya die Tatsache, dass es sich dabei um eine Mischung aus Rollenspiel und Shooter handelt. Das heißt, man läuft in First-Person-Perspektive durch das trostlose Ödland des Planeten Pandorra und knallt so ziemlich alles ab, was einem vor die futuristische Flinte läuft, hat aber je nach gewählter Charakter-Klasse (davon gibt es insgesamt 4) unterschiedliche Fähigkeiten und Waffen-Präferenzen. Zudem gilt es natürlich in gewohnter RPG-Manier den eigenen Charakter stets hoch zu leveln, um mit den immer stärker werdenden Gegnern mithalten zu können. Hinzu kommt, dass fast alle Gegenstände, die man unterwegs findet, ein gewisses Level erfordern, um sie tragen zu dürfen. Sogar einen Skill-Baum, eines der wohl klassischsten RPG-Elemente, hat man eingebaut. Dieser ist unterteilt in 3 Zweige, die jeweils unterschiedliche Bereiche beeinflussen (wie etwa Waffenhandhabung, Verteidigung, etc.). Das war es aber auch schon so ziemlich an RPG-Einflüssen in Borderlands. Die Quests, die man von den einzelnen NPCs erhält, beschränken sich meist leider auf das Töten und Einsammeln verschiedenster Dinge. Durch die große Vielfalt an auffindbaren Wummen und der abwechslungsreichen Gestaltung der Umgebung, bleibt die Motivation aber dann doch so lange erhalten, um das Spiel wenigstens einmal im Single-Player-Modus durchzuspielen.
Wie der aufmerksame Leser bereits bemerkt haben dürfte, bekommt dieser Text in den letzten Sätzen einen leicht negativen Beigeschmack, daher will ich jetzt mal auf die Mängel von Borderlands eingehen.
Die Charakter-Erstellung, wobei Erstellung hier übertrieben ist und der Begriff Auswahl wohl eher zutrifft, ist recht unspektakulär und simpel. Man wählt zwischen den Klassen Soldat, ein klassischer Alleskönner, Sirene, die unsichtbare Schurkin, Jäger, ein Scharfschütze mit tierischem Beistand in Raben-Form und Berserker, ein faustschwingender Türsteher mit Vorliebe für Explosionen. Jede dieser Klassen hat eine Spezialfähigkeit, die im Kampf eingesetzt werden kann und eine gewisse Zeit braucht, sich wieder aufzuladen. Nette Idee, aber warum nicht mehr als eine Fähigkeit? Selbige lassen sich zwar im Skill-Baum geringfügig ausbauen, aber auf die Dauer werden sie dank nicht vorhandener Abwechslung ein wenig langweilig. Auch die Tatsache, dass sich lediglich die Farben und der Name des gewählten Charakters ändern lassen, dürfte die, die große Hoffnung in die Rollenspiel-Elemente und Charakter-Individualität gesetzt haben, ein bisschen enttäuschen.
Ein weiterer Wermutstropfen ist die Nutzlosigkeit der meisten Waffen, die man von getöteten Gegnern erhält. Meist benutzt man jene, die Quest-Belohnungen waren, da der Rest einfach nicht mithalten und als Schrott eingestuft werden kann. So bringen dem Spiel auch seine 87 Bazillionen Waffen nichts, wenn sich das Sammeln dieser Waffen als unnütz erweist und man nur darauf wartet, dass der Typ, dessen Unterhose man aus dem Bauch eines außerirdischen Riesen-Dinosauriers befreit hat, einem die epische Schrotflinte in die Hand drückt, auf die man schon so lange gewartet hat.
Auch der coole und überaus passende Soundtrack aus dem Trailer und Intro ist verschwunden. Während man durch Pandorra streift und es manchmal so still ist, dass man fast schon die Leichen seiner Gegner verroten hören kann, kommt oft das Verlangen nach ein bisschen musikalischer Untermalung auf. Selbige bleibt leider aus. Sehr schade. Hätte dem Spiel zweiffelos viel mehr Flair verliehen. Da kann man mir auch nicht erzählen, dass das der Atmosphäre zuträglich sein soll. Bei Spielen wie Fallout 3 verstehe ich den Mangel an musikalischer Untermalung, denn die Welt von Fallout ist eine von Atombomben zerstörte und trostlose Erde, aber Borderlands legt doch ganz offensichtlich mehr Wert auf Coolness, bzw. einen leicht humoristischen Aspekt und versucht nicht etwa die Authentizität eines Wüstenplaneten zu imitieren, also wozu die Stille?
Oh, fast hätte ich es vergessen. Der Multiplayer-Modus, der ya zweifellos eines der Standbeine von Borderlands darstellen soll. Dazu ist ohnehin schnell alles gesagt. Zusammen spielt es sich immer lustiger und außerdem werden bei einer höheren Spieleranzahl die Gegner stärker, was wiederum in wertvollerer Beute (in Form von stärkeren Waffen) resultiert. Allerdings gibt es, wie in vielen anderen Spielen auch, eine große Menge an sogenannten Ninja-Lootern, die sich schnell, ohne Rücksicht auf Verluste und andere Spieler, alles schnappen, was sie kriegen können und sich dann aus dem Staub machen. Leider ist das Plündern gefallener Feinde in Borderlands wie gemacht für diese Spieler, denn die Gegenstände fallen einfach zu Boden und können von jedem problemlos einkassiert werden. Ansonsten ist der Multiplayer-Modus aber durchaus einen Blick wert und man kann einfach nur hoffen, dass man an anständige Mitspieler gerät.
So, das wäre vorerst alles, was ich dazu zu äußern hätte. Dürfte ya auch reichen. Als Fazit lässt sich wohl sagen, dass Borderlands durchaus ein guter Versuch ist, Rollenspiel und Shooter zu vereinen, aber man hätte sich ein wenig mehr Mühe bei den RPG-Einflüssen und dem Soundtrack geben können. Man muss allerdings ergänzen, dass man kaum erwarten darf, dass der Versuch eines solchen Genre-Mix sofort beim ersten Mal in einem perfekten Spiel resultiert.
Yo.